Wie gelingt Verständigung innerhalb von Glaubensgemeinschaften und über religiöse und gesellschaftliche Grenzen hinweg? Beim zweiten Fachaustausch „Religion und Demokratie“ in Dresden erprobten knapp 20 Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen das Dialogformat „Sprechen & Zuhören“. Im Mittelpunkt standen persönliche Erfahrungen, gegenseitiges Verständnis und die Frage, wie sich der Dialog auch in den eigenen Gemeinschaften stärken lässt.

Begegnung zwischen unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften

ungen, darunter Judentum, Islam, evangelisches und katholisches Christentum, Bahaitum und Buddhismus.

Organisiert wurde die Veranstaltung gemeinsam von der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, vertreten durch Dr. Verena Böll, und der Aktion Zivilcourage e. V. mit dem Stadtteile-Netzwerk Dresden, vertreten durch Irene Deifeld und Schirin Beravat, sowie dem Kompetenzzentrum Krisen-Dialog-Zukunft im Rahmen des Projekts DiAS – Dialog stärken, vertreten durch Petra Schweizer-Strobel.

Vom Umgang mit Konflikten zur praktischen Dialogerfahrung

Die Veranstaltung knüpfte an den ersten Fachaustausch „Religion und Demokratie“ im Jahr 2025 an. Damals hatten die Teilnehmenden Erfahrungen im Umgang mit politischen und gesellschaftlichen Konfliktthemen innerhalb ihrer Religionsgemeinschaften ausgetauscht und sich mit der Frage beschäftigt, welche Dialogformate sich für unterschiedliche Konfliktstufen eignen.

In diesem Jahr stand die praktische Erprobung einer konkreten Methode im Mittelpunkt. Nach einer gemeinsamen Begrüßung und einem Rückblick auf das vergangene Treffen kamen die Teilnehmenden zunächst über aktuelle gesellschaftliche und politische Debatten in ihren Religionsgemeinschaften ins Gespräch. Dabei beschäftigten sie sich auch mit der Frage, inwiefern solche Themen das Miteinander innerhalb der Gemeinschaften beeinflussen.

„Mein Glaube in hochpolitisierten Zeiten – wie geht es mir damit?“

Im Mittelpunkt des Abends stand das von Mehr Demokratie e. V. entwickelte Dialogformat „Sprechen & Zuhören“. Die Methode möchte Verständigung zwischen Menschen mit ähnlichen, aber auch mit sehr unterschiedlichen Ansichten ermöglichen, Vertrauen aufbauen und Kooperation fördern.

Anders als bei einer klassischen Diskussion geht es nicht darum, andere von der eigenen Meinung zu überzeugen oder auf Aussagen unmittelbar zu reagieren. Vielmehr erhalten alle Beteiligten gleich viel Raum, um über ihre persönlichen Erfahrungen und Empfindungen zu sprechen. Die anderen hören aufmerksam zu, ohne zu unterbrechen, nachzufragen oder das Gesagte zu bewerten.

Die Teilnehmenden erprobten das Format in Kleingruppen mit jeweils drei bis vier Personen. In drei aufeinanderfolgenden Gesprächsrunden erhielt jede Person vier Minuten Redezeit. Die Leitfrage blieb in allen Runden gleich: „Mein Glaube in hochpolitisierten Zeiten – wie geht es mir damit?“

Besonders wichtig waren dabei die vereinbarten Gesprächsregeln: Die Teilnehmenden sollten in Ich-Botschaften sprechen, bei ihren eigenen Erfahrungen bleiben und den anderen wertschätzend zuhören. Auch Schweigen war ausdrücklich erlaubt. Die Vertraulichkeit der persönlichen Äußerungen wurde gemeinsam vereinbart.

Auf diese Weise entstand ein Gesprächsraum, in dem nicht die Bewertung unterschiedlicher Standpunkte, sondern das gegenseitige Wahrnehmen und Verstehen im Vordergrund stand.

Wie kann das Format in den eigenen Gemeinschaften genutzt werden?

Nach der gemeinsamen Erprobung reflektierten die Teilnehmenden ihre Erfahrungen mit der Methode. Dabei ging es unter anderem darum, wie sie das Sprechen und Zuhören erlebt hatten, was ungewohnt oder überraschend gewesen war und welche Möglichkeiten das Format eröffnet.

Im zweiten Teil beschäftigten sie sich mit der Frage, wie „Sprechen & Zuhören“ auch in der eigenen Gemeinde, Religionsgemeinschaft oder Initiative eingesetzt werden könnte.

Die Ergebnisse wurden anhand verschiedener Aspekte gesammelt: mögliche Anlässe und Themen, geeignete Zielgruppen, notwendige Anpassungen sowie Voraussetzungen und Unterstützungsbedarfe.

Dabei wurden unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten angesprochen, etwa Gespräche über kontroverse gesellschaftliche Themen, der Austausch zwischen verschiedenen Generationen oder die Förderung gegenseitigen Verständnisses innerhalb bestehender Gemeinschaften. Auch die Arbeit mit Jugendlichen sowie die Begleitung von Perspektivwechseln wurden als mögliche Anwendungsfelder betrachtet.

Deutlich wurde zugleich, dass für einen gelingenden Dialog bestimmte Rahmenbedingungen erforderlich sind. Dazu gehören eine klare und persönliche Leitfrage, verbindliche Gesprächsregeln, gleichberechtigte Redezeiten, ein geschützter Rahmen und gegebenenfalls eine geeignete Moderation. Je nach Zielgruppe und Kontext kann es sinnvoll sein, das Format anzupassen.

Die Teilnehmenden erhielten außerdem Informationen zu weiteren Möglichkeiten, die Methode kennenzulernen und ihre Anwendung zu vertiefen. Dazu gehören die regelmäßigen Online-Dialoge sowie die kostenfreien Weiterbildungen von Mehr Demokratie e. V.

Den interreligiösen Austausch 2027 fortsetzen

Zum Abschluss des Abends richtete sich der Blick auf die weitere Zusammenarbeit. Neben möglichen Themen für künftige Treffen wurde insbesondere die Idee aufgegriffen, sich künftig gegenseitig in den eigenen Religionsgemeinschaften zu besuchen.

Für das Jahr 2027 ist deshalb geplant, den nächsten Fachaustausch bei einer der beteiligten Glaubensgemeinschaften durchzuführen. Auf diese Weise soll neben dem inhaltlichen Austausch auch das gegenseitige Kennenlernen der Gemeinschaften und ihrer religiösen Praxis weiter gestärkt werden.

Der zweite Fachaustausch „Religion und Demokratie“ verband damit die persönliche Begegnung von Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen mit der praktischen Erprobung einer Dialogmethode. Er bot Gelegenheit, über gesellschaftliche Herausforderungen und eigene Erfahrungen zu sprechen, neue Perspektiven kennenzulernen und Anregungen für die Dialogarbeit innerhalb der eigenen Gemeinschaften mitzunehmen.

Die Fortsetzung der Veranstaltungsreihe soll dazu beitragen, die entstandenen Kontakte zu vertiefen und den interreligiösen Dialog in Dresden langfristig zu fördern.

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