Was braucht es, damit Menschen, die sich vor Ort für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt engagieren, auch in schwierigen Situationen handlungsfähig bleiben? Eine wichtige Antwort darauf wurde bei einem Treffen an der FH Güstrow besonders deutlich: starke Netzwerke und ein vertrauensvoller Austausch zwischen Zivilgesellschaft, Verwaltung, Beratungsstrukturen und Polizei.
Wenn Schutz gemeinsam gedacht wird
Am 17. September kamen an der Fachhochschule Güstrow Vertreterinnen und Vertreter der 24 Partnerschaften für Demokratie in Mecklenburg-Vorpommern, der Landespolizei sowie der Landeskoordinierungsstelle Demokratie und Toleranz zusammen. Im Mittelpunkt des Workshops „Kommunale Schutzkonzepte“ stand die Frage, wie Engagierte in Bedrohungslagen besser unterstützt werden können und welche Rolle die Zusammenarbeit mit der Polizei dabei spielt.
Gemeinsam mit der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege des Landes Mecklenburg-Vorpommern, dem Projekt „Zusammenarbeit zwischen Zivilgesellschaft und Polizei“ und weiteren Beteiligten gestaltete die Aktion Zivilcourage e. V. einen Tag, an dem nicht nur Wissen vermittelt wurde. Vor allem ging es darum, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und voneinander zu lernen.
Schutzkonzepte entstehen nicht am Schreibtisch allein
Bedrohungen gegen Engagierte können sehr unterschiedlich aussehen: von Diffamierungen und gezielten Störungen über Sachbeschädigungen bis zu Einschüchterungsversuchen und konkreten Bedrohungen. Kommunale Schutzkonzepte setzen deshalb nicht bei einer einzelnen Maßnahme an. Sie verbinden Prävention, Unterstützung, klare Zuständigkeiten und belastbare Netzwerke.
Aus unserer bisherigen Arbeit wissen wir: Besonders wichtig sind eine gemeinsame Wahrnehmung der Situation vor Ort, klare Rollen und die Bereitschaft, dauerhaft zusammenzuarbeiten. In unserem Workshop haben wir deshalb nicht nur über mögliche Bausteine von Schutzkonzepten gesprochen, sondern auch über die Frage: Wer muss vor Ort miteinander im Gespräch sein, bevor eine schwierige Situation entsteht?
Eine zentrale Rolle spielt dabei die Polizei. Denn wirksamer Schutz gelingt dann besonders gut, wenn zivilgesellschaftlich Engagierte wissen, an wen sie sich wenden können, wenn Polizei die Bedürfnisse und Arbeitsweisen zivilgesellschaftlicher Akteure kennt und wenn unterschiedliche Perspektiven frühzeitig miteinander geteilt werden können. Auch die Erfahrungen aus unserem früheren Begleitprojekt zeigen: Die Zusammenarbeit zwischen Zivilgesellschaft und Polizei ist ein wesentlicher Bestandteil kommunaler Schutzkonzepte.
Mecklenburg-Vorpommern kann auf starke Netzwerke aufbauen
Was uns in Güstrow besonders beeindruckt hat: In Mecklenburg-Vorpommern bestehen bereits viele tragfähige Kontakte und Netzwerke, auf die aufgebaut werden kann. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Vertrauen zwischen unterschiedlichen Institutionen entsteht über Zeit, durch Begegnung und durch konkrete gemeinsame Erfahrungen. Genau deshalb ist das Projekt „Zusammenarbeit zwischen Zivilgesellschaft und Polizei – Dialog und Kooperation in Mecklenburg-Vorpommern“ so wertvoll. Seit 2023 stärkt es den Austausch zwischen zivilgesellschaftlichen Trägern und Polizei und unterstützt den Ausbau von Präventionsnetzwerken. Zunächst war das Projekt an der Landeskoordinierungsstelle „Demokratie und Toleranz“ angesiedelt, seit 2025 wird es an der Fachhochschule Güstrow fortgeführt. Auch die Landeskoordinierungsstelle hat mit ihrer langjährigen Vernetzungsarbeit wichtige Voraussetzungen dafür geschaffen. Das landesweite Beratungsnetzwerk bringt staatliche und zivilgesellschaftliche Kompetenzen zusammen und ermöglicht damit kurze Wege und unterschiedliche fachliche Perspektiven.
Für uns hatte der Tag noch eine besondere Verbindung zur eigenen Arbeit. Von 2021 bis 2024 durfte die Aktion Zivilcourage e. V. im Rahmen des Projekts „Zivilgesellschaft stärken und schützen“ Entwicklungsprozesse zu kommunalen Schutzkonzepten unter anderem in der Stadt Rostock, im Landkreis Rostock und im Amt Krakow am See begleiten. Das bundesweite Projekt unterstützte Kommunen dabei, sektorübergreifende Kooperationen zwischen Verwaltung, Zivilgesellschaft und Sicherheitsbehörden aufzubauen und Maßnahmen zum Schutz engagierter Menschen weiterzuentwickeln. Umso wertvoller war es, in Güstrow wieder Projektpartner aus dieser Region zu treffen. Teilnehmende berichteten von ihren Erfahrungen aus den damaligen Prozessen; und davon, dass sie in den entstandenen Strukturen weiterhin arbeiten. Gerade das hat den Mehrwert solcher Prozesse sehr anschaulich gemacht: Ein kommunales Schutzkonzept ist kein Dokument, das einmal erstellt und anschließend abgelegt wird. Entscheidend sind Beziehungen, gemeinsame Erfahrungen und Strukturen, die weiterentwickelt werden. Wenn Menschen auch Jahre später miteinander im Austausch stehen und an den begonnenen Prozessen anknüpfen, zeigt sich, was nachhaltige Zusammenarbeit bewirken kann.
Der Workshop in Güstrow hat für uns deshalb vor allem eines bestätigt: Schutz beginnt nicht erst in einer konkreten Bedrohungssituation. Er beginnt dort, wo Menschen einander kennenlernen, Zuständigkeiten verstehen, Erfahrungen teilen und Vertrauen aufbauen. Polizei, Verwaltung, Beratungsstellen und Zivilgesellschaft bringen unterschiedliche Kompetenzen mit. Werden sie miteinander verbunden, können Engagierte schneller Unterstützung finden und Kommunen gemeinsam angemessen reagieren.
Wir danken der Fachhochschule Güstrow, dem Projekt „Zusammenarbeit zwischen Zivilgesellschaft und Polizei“, der Landeskoordinierungsstelle Demokratie und Toleranz und allen Teilnehmenden für den offenen und praxisnahen Austausch.
Unser Wunsch: Lassen Sie uns solche Netzwerke weiter stärken und die Erfahrungen aus Mecklenburg-Vorpommern auch über die Landesgrenzen hinaus teilen.
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Cathleen Bochmann und Johanna Sell
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