Am 02.06.2026 fand die Thüringer Energiekonferenz (TEK) in Erfurt statt. Wir waren vor Ort, um uns auf dem gut besuchten Fachkongress ein Bild von der Situation der Energiewende in Thüringer Kommunen zu machen. Sind dort im Vergleich zu Sachsen ähnliche Fragen im Fokus? Welche Wege gehen die Kommunen und mit welchen Möglichkeiten und Grenzen haben sie zu tun? Im Kompetenzzentrum Krisen-Dialog-Zukunft arbeiten wir ostdeutschlandweit. Dementsprechend spannend waren die Eindrücke insbesondere dazu, wie Kommunen von der Energiewende profitieren können und wie Bürgerinnen und Bürger mitgenommen werden können.
„Energiewende ist keine Ingenieursaufgabe. Energiewende ist eine Gemeinschaftsaufgabe.“
Im Fokus der Konferenz standen Bezahlbarkeit, Versorgungssicherheit, Speicher und Wärmeversorgung. In den Workshops im Anschluss an prominent besetzte Panels ging es um die Handlungsspielräume in Kommunen im Kontext der Energiewende. So wurde von Projekten zur kommunalen Wertschöpfung berichtet – bspw. vom Bündnis „Holz-21-regio“, das regionale Wertschöpfungsketten entlang einer Thüringer Waldregion aufbaut.
Im Projekt „energieLAND Geisa“ (gefördert durch das Bundeswirtschaftsministerium) machte sich eine kleine Kommune mit schwacher Infrastruktur und strengen Naturschutzvorgaben auf den Weg, ein eigenes Zukunftskonzept als Modellregion für integrierte Energiewendeprozesse zu entwickeln. Geisa setzt auf bereits vorhandene Infrastrukturen, um die eigene Energieversorgung möglichst unabhängig umzusetzen. Von Anfang an wurden im Projekt die Bürgerinnen und Bürger, Kommune und Unternehmen mit ins Boot genommen. Aus der Wissenschaft kam die fachliche Begleitung des Projekts. Doch in der Vorstellung des Fallbeispiels wurde eine große Lücke deutlich: Das Konzept konnte entwickelt werden, doch für die Umsetzung reichen aktuelle Fördermittel bis zum Ende des Jahres nicht aus. So wird aktuell nach Fördermittelgebern gesucht. Deutlich wurde, dass die Energiewende als Gemeinschaftsaufgabe verstanden werden muss.
Wie Gemeinden von der Energiewende profitieren
In den allermeisten Dialogveranstaltung zum Windenergieausbau, die wir als Moderator:innen im Auftrag der SAENA umsetzen, herrscht große Skepsis, ob sich Windenergieanlagen lohnen. Werden Auflagen zu Naturschutz eingehalten? Ist für Lärmschutz gesorgt? Wie wird die Einspeisung in die örtlichen Netze funktionieren? Wenig wird zum tatsächlichen Nutzen gefragt und doch lässt sich dieser ganz konkret zeigen: Sebastian Goldhorn aus dem Landkreis Sömmerda stellte mit der Genossenschaft Thüringer Becken eG einen der Wege für die Beteiligung von Kommunen vor. Partizipieren dürfen hier alle – von Bürger:innen bis zu Unternehmen. Im Sinne eines private public partnership kann so die Energieinfrastruktur vor Ort finanziert werden. Bis jetzt konnten u.a. ein Solarpark als auch Auf-Dach-Anlagen umgesetzt werden. Die gegründete Genossenschaft schafft zudem den Vorteil regionaler Wertschöpfung für die Kommune – etwa über die Vergabe von Aufträgen an lokal ansässige Handwerksbetriebe. Ein Beispiel, wie die Kommune vor die Lage kommen und viel Zuspruch erhalten kann.
„Ich finde Windräder immer noch schlecht. Aber ich verstehe, dass wir sie brauchen.“
In einem kurzen Input stellte Dirk Neubauer (dne.partners GmbH) als ehemaliger Bürgermeister, Landrat und „Energiepionier“ seinen Ansatz der Kommunalberatung zur Entwicklung einer lokalen Energiestrategie vor und teilte Erfolgsfaktoren in der Kommunikation mit Stakeholdern vor Ort – so etwa im Projekt dorf.energy. Zentral war der Hinweis, am Anfang jedes Projekts ein passendes Netzwerk zu schaffen. Zudem sollte Bürgerinnen und Bürger deutlich werden, welche individuelle Ersparnis und welcher Nutzen für die kommunale Finanzbasis mit einer Umgestaltung der Energieträger einhergehen. Niemand müsse „Windräder gut finden“. Er habe die Erfahrung gesammelt, dass die Zustimmung zu Erneuerbaren Energien sich nach und nach entwickeln kann – bei genügend Ansprache und Informationsgabe.
Warum Einbauküchen etwas über die Akzeptanz von Windkraft erzählen
Woran steht und fällt nun aber die Akzeptanz aufseiten der Bürgerinnen und Bürger, die sich aktuell laut und sichtbar gegen den Ausbau der Erneuerbaren Energien positionieren? Guido Mehlkop von der Universität Erfurt klärte über dahinterliegende Akzeptanzfaktoren auf:
• die Erwartung, dass die Technologie wirksam und nützlich ist
• die Wahrnehmung, wie einfach die Technologie verständlich und umsetzbar ist
• der Einfluss gesellschaftlicher Normen und relevanter Gruppen
• die vorhandene Infrastruktur, Ressourcen und institutionelle Unterstützung
Bürgerinnen und Bürger würden sich zudem die Fragen stellen, wie fair eine Veränderung und wie wirksam sie sein werde. Bei der Einbauküche etwa habe es zunächst auch eine große Skepsis hinsichtlich dieser Faktoren und Fragen gegeben und nun seien sie Bestandteil der allermeisten Haushalte.
Take Aways
Mindestens die Faktoren der Akzeptanzerklärung werden wir in unsere kommenden Beratungen und Dialoge rund um Windenergie mitnehmen. Auch wenn das klassische Konferenzformat aus Podium und Sessions mehr Informations- als Austauschcharakter besaß, konnten wir interessante Gesprächspartner finden und werden uns in der Zukunft sicherlich noch einmal miteinander in Verbindung setzen – bspw. um Kommunen mit best practices anderer Regionen in ihrer Handlungsweise zu stärken und ihnen Angebote zu machen, wie sie die Energiewende vor Ort als Gemeinschaftsaufgabe bewältigen können.