Wie können Kommunen auch bei komplexen Konflikt- und Krisenlagen handlungsfähig bleiben? Eine zentrale Antwort liegt in Multiakteursansätzen: In ihnen arbeiten Vertreter:innen von Verwaltung, Politik, Zivilgesellschaft, Sicherheitsbehörden und weiteren relevanten Bereichen längerfristig zusammen. Sie bringen unterschiedliche Perspektiven, Informationen und Handlungsmöglichkeiten zusammen, entwickeln ein gemeinsames Lage- und Problemverständnis und schaffen die Grundlage für abgestimmtes Handeln – zum Beispiel am Runden Tisch, im Präventionsrat oder Krisenstab.
Unser Beitrag zur BMI-Kommunaltagung
Genau darum ging es in unserem Workshop bei der dritten Kommunaltagung des Bundesministeriums des Innern in Berlin. Die Tagung brachte kommunale Praxis, staatliche Ebenen, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammen und bot Raum für den Austausch über konkrete Herausforderungen vor Ort. Gemeinsam mit Mirjam Walter vom K3B – Kompetenzzentrum Kommunale Konfliktberatung und Marcus Kober von der starken Stelle diskutierte Phillip Koller, wie solche sektorübergreifenden Strukturen gestaltet sein müssen, damit sie nicht erst im Krisenfall entstehen.
Vier Erkenntnisse
Die Diskussion in unserem Workshop hat uns wertvolle Rückmeldungen aus der kommunalen Praxis ermöglicht. Aus diesem Abgleich unserer Konzept und Erfahrungswerte ergeben sich als zentrale Learnings:
1. Netzwerke brauchen klare Strukturen. Belastbare Beziehungen sind eine wichtige Grundlage. Ebenso entscheidend sind geklärte Rollen, Zuständigkeiten und Kommunikationswege. Denn Kooperation entsteht nicht allein dadurch, dass viele Akteure „an einem Tisch“ sitzen.
2. Gemeinsames Lagebild schafft Handlungsfähigkeit. Unterschiedliche institutionelle Perspektiven können ein umfassenderes Bild einer Situation ermöglichen. Vertrauen ist dabei die Voraussetzung, um Informationen zu teilen, unterschiedliche Wahrnehmungen einzuordnen und daraus gemeinsame Handlungsstrategien zu entwickeln.
3. Zeit investieren lohnt sich. Multiakteursansätze brauchen Vorbereitung. Beziehungen, Routinen und Verantwortlichkeiten lassen sich nicht kurzfristig aufbauen, wenn bereits schnelles Handeln erforderlich ist. Wer für den Ernstfall vorbereitet sein will, muss Strukturen deshalb frühzeitig entwickeln und pflegen.
4. Nicht alle Akteure müssen an den Tisch. Besonders herausfordernd wird die Zusammenarbeit, wenn einzelne Beteiligte kein Interesse an einer konstruktiven Konfliktbearbeitung haben. Ein Multiakteursansatz erfordert nicht, möglichst viele Akteure einzubeziehen. Entscheidend ist vielmehr, bewusst zu klären, mit wem, unter welchen Bedingungen und in welchem Format eine konstruktive Zusammenarbeit möglich ist.
Wertvoller Austausch
Das Workshop-Team hat das Gespräch als sehr bestärkend und wertschätzend erlebt. Unser Dank gilt den Veranstaltern und Teilnehmenden der Kommunaltagung für die Möglichkeit, diese Fragen gemeinsam praxisnah zu diskutieren.
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