Der Forschungsverbund motra (Monitoringsystem und Transferplattform Radikalisierung) liefert wichtige wissenschaftlich fundierte Einblicke und praxisorientierte Impulse für den Umgang mit Radikalisierung und Extremismus. Das Team des Kompetenzzentrums Krisen-Dialog-Zukunft war auf der diesjährigen Motra-Konferenz (motra-k#26) mit einem Vortrag vertreten:
Einblicke in kommunale Konfliktberatung im ländlichen Raum
Wie lassen sich kommunale Konflikte bearbeiten, wenn Emotionen hochkochen, politische Fronten verhärten und antidemokratische Akteure versuchen, die Situation für ihre Mobilisierung zu nutzen? Mit dieser Frage beschäftigten sich Markus Mehnert (KDZ) und Mirjam Walter (Kompetenzzentrum Kommunale Konfliktberatung, VFB Salzwedel e. V.).
Im Mittelpunkt stand die Beobachtung, dass Kommunalpolitik – insbesondere in strukturschwachen und ländlichen Regionen – zunehmend unter Druck gerät. Faktoren wie Bevölkerungsschwund, Überalterung oder begrenzte kommunale Ressourcen schränken die Handlungsspielräume vieler Verantwortlicher ein. Gleichzeitig werden lokale Konflikte immer häufiger zum Anknüpfungspunkt für antidemokratische Mobilisierung.
Die Referierenden stellten deshalb die Arbeit ihrer beiden Einrichtungen vor und gaben Einblick in den Kooperationsverbund Demokratische Konfliktbearbeitung. Hier werden zwei Ansätze miteinander verbunden: die systemische Prozessberatung der Kommunalen Konfliktberatung (K3B) und die dialogorientierten, deeskalativen Beteiligungsformate des Kompetenzzentrums Krisen-Dialog-Zukunft (KDZ). Ziel ist es, Konflikte frühzeitig zu erkennen, Beteiligungsräume zu schaffen und demokratische Entscheidungsprozesse zu stärken.
Besonders anschaulich wurde der Vortrag durch anonymisierte Fallbeispiele aus ostdeutschen Kommunen. Sie zeigten, wie sich festgefahrene Konflikte durch strukturierte Dialogformate, klare Rollen und langfristige Prozessbegleitung wieder in bearbeitbare Bahnen lenken lassen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass in manchen Regionen demokratiefeindliche Positionen bereits teilweise normalisiert sind – eine Herausforderung, die ein sensibles Vorgehen und die Einbindung unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen erfordert.
Die zentrale Botschaft des Vortrags: Konflikte sind kein Zeichen für das Scheitern von Demokratie – sie gehören zu ihr. Entscheidend ist, wie sie ausgetragen werden. Kommunale Konfliktberatung kann dabei helfen, aus zugespitzten Auseinandersetzungen wieder konstruktive politische Prozesse entstehen zu lassen