„Die Dialoge zwischen der Polizei und Teilen der Zivilgesellschaft haben, zumindest ist das mein Gefühl, nicht nur für ein größeres Verständnis und offenes Miteinander zwischen den beiden Parteien gesorgt, sondern auch bei mir. Ich habe viele bemerkenswerte Geschichten von unterschiedlichsten Menschen gehört, die einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen haben.“ (Moderatorin Lisa P.)

 

Im Dialog Vertrauen stärken – Rückblick auf drei Polizeidialoge

Seit November 2025 wurden drei Bürgerdialoge durchgeführt, die Polizei, zivilgesellschaftliche Akteurinnen und Akteure sowie engagierte Bürgerinnen und Bürger in einen offenen Austausch gebracht haben. Unsere Kooperationspartner waren die Netzwerkkoordinatoren für Demokratiearbeit in der sächsischen Polizei der Polizeidirektion Zwickau. Wir sprachen über „Migration und Flucht“, „Queeres Leben auf dem Land“ und „Jüdisches Leben“. Ziel dieser Veranstaltungsreihe war es, Begegnung zu den jeweiligen Communities zu ermöglichen, gegenseitiges Verständnis zu fördern und Vertrauen zwischen staatlichen Institutionen und Zivilgesellschaft zu stärken. 

Mit wem wir gesprochen haben

An den Dialogen beteiligten sich Polizeibedienstete aus Führungs- und Einsatzfunktionen aus ganz Westsachsen sowie Menschen aus migrantischen, queeren und jüdischen Lebenswelten, die in ihrem Alltag auf unterschiedliche Weise mit staatlichem Handeln, Sicherheit und öffentlichem Raum in Berührung kommen. Dazu gehörten unter anderem engagierte Bürgerinnen und Bürger, Vertreter:innen von Initiativen, Vereinen und Communities sowie Personen, die eigene Erfahrungen mit polizeilichem Handeln eingebracht haben. Die Zusammensetzung der Gruppen war bewusst vielfältig gewählt. Dadurch konnten unterschiedliche Lebensrealitäten, Erwartungen und auch Irritationen sichtbar werden, die im normalen Berufs- oder Alltagskontakt häufig unausgesprochen bleiben.

Wie der Dialog gestaltet wurde

Alle drei Veranstaltungen folgten einem klar strukturierten, dialogorientierten Konzept. Im Mittelpunkt stand nicht die Vermittlung von Positionen, sondern das gegenseitige Zuhören und Verstehen. Zentrale methodische Elemente waren:

  • Moderierte Gesprächsrunden in entspannter World Café Atmosphäre, die einen sicheren Rahmen boten und dafür sorgten, dass alle Beteiligten zu Wort kommen konnten.
  • wechselnde Kleingruppen, in denen persönliche Erfahrungen, Wahrnehmungen und Fragen vertieft besprochen wurden
  • offen Fragen, bei denen konkrete Situationen aus dem Alltag der Teilnehmenden Ausgangspunkt des Gesprächs waren 
  • Gesprächsregeln, die Respekt, Vertraulichkeit und Offenheit gewährleisteten und auch kontroverse Perspektiven zuließen

Was durch die Formate möglich wurde

Durch diese dialogische Herangehensweise entstand ein Raum, in dem Unsicherheiten benannt, Erwartungen geklärt und auch kritische Erfahrungen angesprochen werden konnten. Viele Teilnehmende beschrieben, dass sie Einblicke in Denkweisen und Handlungslogiken erhielten, die ihnen zuvor nicht oder nur abstrakt bekannt waren. Es ging zum Beispiel um solche Fragen: „Warum reagieren migrantische Menschen aus der arabischen Welt anders auf die Polizei als deutschstämmige?“, „Warum belasten zu viele Sicherheitsmaßnahmen und zu viel Polizeipräsenz manche jüdische Gemeinschaften?“ oder „Wie kann Polizei gut reagieren, wenn bei einer Personenkontrolle die Ausweisdokumente nicht mit dem Erscheinungsbild der (Trans-) Person übereinstimmen und es unklar ist, welche Pronomen genutzt werden sollen?“

Besonders wirksam war dabei die Kombination aus persönlichem Erzählen und strukturierter Reflexion: Sie ermöglichte es, individuelle Erfahrungen in einen größeren Zusammenhang einzuordnen und gemeinsame Bezugspunkte zu identifizieren.

Unsere Moderatorin Henriette S. beschreibt ihre Erfahrungen so:

Es war erstaunlich, wie viel Neues über Lebensrealitäten von migrantischen, queeren und jüdischen Mitbürger:innen aber auch vonseiten der Polizist:innen an den drei Tagen zur Sprache kam. Das Format ermöglichte eine gegenseitige Begegnung abseits gewohnter Hierarchien und ein Besprechen sensibler sowie kontroverser Themen auf Augenhöhe. Mir hat es einmal mehr gezeigt, wie wichtig moderierter persönlicher Austausch für Verständigungs- und Sensibilisierungsprozesse ist.

Ein tragfähiges Format

Aus der Rückschau zeigt sich, dass die gewählten Methoden den Austausch auf Augenhöhe unterstützt und wir die Projektziele erreicht haben. Die Dialoge trugen dazu bei, Vertrauen aufzubauen, gegenseitige Rollenverständnisse zu schärfen und Gesprächsfähigkeit auch bei sensiblen Themen zu stärken. Die positiven Erfahrungen, die wir gemeinsam mit der Polizeidirektion Zwickau gewonnen haben, bestärken uns darin, dialogische Formate dieser Art in 2026 weiterzuentwickeln und als festen Bestandteil der Zusammenarbeit zwischen Polizei und Zivilgesellschaft zu etablieren. Herzlichen Dank an die engagierten Kolleg:innen der Polizeidirektion Zwickau für die gute Zusammenarbeit!

Kontakt

Fragen Sie uns!

Weitere Informationen erhalten Sie bei

Dr. Cathleen Bochmann

Tel. 0176 137 142 90
moderation@aktion-zivilcourage.de

Aktion Zivilcourage Logo

Sie möchten die Arbeit der Aktion Zivilcourage e.V. zur Stärkung einer demokratischen Gesellschaft unterstützen? Spenden Sie gern: aktion-zivilcourage.de